440Hz - Klassik & HipHop: Miki feat. Curse, Reen, Mellow Mark, Chima & Ono

Das Ziel
der Konzertreihe 440Hz ist es, "neue Frequenzen in die klassische Musik"
zu bringen. So wird Klassik mal mit Jazz kombiniert, mal mit elektronischer
Musik oder eben mit HipHop. Den orchestralen Teil dieser Projekte trägt
das Düsseldorfer Kammerorchester Schumann Camerata unter der Leitung von
Alexander Shelley bei. Shelley, der das Orchester 2001 gründete, hat seither
eine steile Karriere gemacht, und ist mittlerweile weltweit als überragendes
Talent anerkannt.
Shelley ist außerdem ein Freund von Miki, Mihalj Kekenj, der in Düsseldorf
ein Violinstudium absolviert, und als Geiger in verschiedenen Orchestern spielt.
Mittlerweile ist er stellvertretender Konzertmeister der Niederrheinischen Sinfoniker.
Neben der Klassik liegt Miki aber vor allem der HipHop am Herzen. Schon in seinen
frühen Jugendjahren versuchte er sich mit Freunden als Rapper, vor allem
aber auch als Rapproduzent. Als solcher sammelte er dann auch lange professionelle
Erfahrung bei Arbeiten für das Label RCA/BMG. Die 440Hz Konzertreihe gibt
ihm nun die Gelegenheit, seine beiden Leidenschaften zu kombinieren.
"Opus
1" nennt sich das Projekt von Miki, bei dem er Klassik mit HipHop kombiniert.
Alle Lieder hat er komponiert. Dabei zeichnet er sich sowohl für die Partitur
für das Orchester und die HipHop-Beats, als auch für seine Texte und
die gesamte Produktion des Albums verantwortlich. Sein Violinspiel steht dabei
stets mit im Vordergrund. Die Raps teilt sich Miki dann aber mit einigen sehr
Namenhaften Gästen: Curse, Reen, Chima, Ono und Mellow Mark sind längst
keine Unbekannten im deutschen HipHop mehr.
So schwer es ist, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen, eine letzte
große Hürde bildet die Live-Umsetzung. Ohne diese wäre es aber
auch nicht komplett. Und so kommen wir zum gestrigen Abend.
Dirigent
Alexander Shelley, sein Orchester und Mikis Band betreten die Bühne zuerst,
und beginnen mit der Exposition des Opus. Wenig später betritt Miki, Violine
in der Hand, rappend die Bühne, um im Anschluss an seinen Sprechgesang
ein Violinsolo zu spielen. Ein sehr ungewöhnlicher Schnitt. Wohl niemand
aus dem Publikum kann behaupten, dass er schon einmal einen Rapper gesehen hat,
der im Anschluss an seine Strophe ein wunderschönes Violinsolo hinlegt.
Als nächster Betritt Reen die Bühne, und rappt "Gotterverdammter
Song" vom Opus Album. Es folgt das erste klassische Stück des Orchesters,
Gustav Mahlers "Adagietto" aus seiner fünften Symphonie, das
Miki gleich als Live-Sample für sein Stück Feenwald nimmt. Sängerin
Larissa Sirah singt auf "Tu es mit Liebe" ein Duett mit Miki, bevor
Letzterer den Sänger/Rapper Chima auf die Bühne ruft, um mit ihm eine
"Hommage an die Nation" zu singen. Somit sei auch ein Zeichen in Richtung
Fremdenhass gesetzt, da beide Sänger deutsche ausländischer Abstammung
sind. Als zweites, rein klassisches Stück spielte das Orchester eine Komposition
von Maurice Ravel, an die sich Mellow Marks "Metropolis" anschloss.
Mellow Mark übernahm dann auch den männlichen Gesangspart der Umsetzung
von Kurt Weills/Berthold Brechts "Nannas Lied". Der weibliche Teil
wurde von Sopranistin Kerstin Pohle gesungen. Diese Umsetzung war unbestritten
eines der größten Highlights des Konzerts.
Der zweite Teil des Konzertes sollte dann die etwas temporeicheren Stücke
umfassen. Den Anfang machte Mikis Nostalgie-Hymne "Einst waren wir Könige".
Reens zweiter Beitrag zu Opus 1, "Ich war, ich bin, ich bleibe" folgte.
Nun war es einmal mehr an der Zeit für ein klassisches Stück, und
Alexander Shelley stellte dem Publikum Ástor Piazzolla vor, den argentinischen
Begründer des "Tango Nuevo". In Shelleys, von mir Freizitierten
Worten: "Das nächste Stück ist von Ástor Piazzolla, der
ist mittlerweile Tot, was schade für ihn ist... Aber er hat genug Geld
verdient, damit kann er glücklich sein. Er hat eigentlich nur Tangos geschrieben,
aber wenigstens waren die untereinander abwechslungsreich". Es wurden zwei
Tangos gespielt, zunächst ein langsamer, dann ein schneller. Da Miki es
nicht rechtzeitig auf die Bühne schaffte, um daraufhin Chimas "Halt
dich an mich" anzukündigen, übernahm Shelley dies, was er dann
auch kurz mit "So, das hab ich gerettet" kommentierte. Chima, legte
dann mit seinem Solostück ein weiteres Highlight des Abends hin und zeigte
zudem seine Fähigkeiten als Entertainer. Da Miki mittlerweile den Weg zurück
auf die Bühne gefunden hatte, konnte er sein erstes Solostück spielen,
eine Violineadaption des Fugees-Klassikers "Ready or not". Als er
seinen Solopart beendet hatte, stieg das Orchester mit ein, und Ono & Larissa
teilten sich die Vocals im Stile der Fugees Wyclef und Lauryn. Ono ließ
dann auch direkt seinen „Opus 1“-Beitrag "Raise" folgen.
Die letzte rein klassische Komposition des Abends stammte aus der Feder des
Spaniers Manuel de Faya, einem "Coolen Typ", wie Alexander Shelley
feststellte. An dieser Stelle war der Abend bereits bis kurz vor Mitternacht
fortgeschritten, und so befand Miki in bescheidener Manier, dass es an der Zeit
wäre, "den Headliner des Abends" auf die Bühne zu bitten.
Dieser selbst, Rapper Curse, stellte jedoch sogleich richtig, dass nicht er,
sondern Miki, der wahre Star des Abends sei. Curse's erster Beitrag war der
Song "Zweifel". Dieser ist eine Produktion von Miki für das kommende
Curse-Album, und erlebte an diesem Abend seine Weltpremiere. Es folgte die Curse-Ballade
"Und was ist jetzt", die, ohnehin im klassischen Stil mit Klavier
und Streichern produziert, zu diesem Anlass unausweichlich gespielt werden musste.
Schließlich wurde das Lied "für die Seele" gespielt, Curse's
Beitrag zu Mikis Opus 1, der noch einmal mit einem vom Orchester gespielten
Sample des Rap-Klassikers "Nuthin' but a g-thang" überraschen
konnte. Hier wäre das Konzert eigentlich zu Ende gewesen, doch Miki ließ
es sich nicht nehmen, alle fünf Rapper noch eine Freestyle-Strophe zu seinem
Kindheits-Thema "Einst waren wir Könige" hinzulegen - Eine Herausforderung,
die alle fünf mit viel Spaß meisterten. Und so endete dieses überragende
Konzert, und Miki entließ die zufriedenen Fans mit seiner Coda in die
Aftershow-Party.
Projekte, die Klassik mit verschiedenen Stilen der Populärmusik kombinieren, sind keine Seltenheit. gerade im Bereich der Rockmusik ist es gang und gäbe, sei es von Metallica, Dream Theater oder Deep Purple. Noch in diesem Jahr gab es selbst in Deutschland ein solches Projekt, vom SWR Symphonieorchester und den Söhnen Mannheims um Xavier Naidoo. Das Problem dabei ist oftmals, dass die Umsetzung von Rock und Pop Songs für das Orchester nicht richtig gelingt. Und so klingen diese Projekte meist zu unausgegoren, oder nach unnötigem Bombast. Mikis Projekt hebt sich davon deutlich ab, was größtenteils darauf zurückgehen wird, dass er sich in Klassik und HipHop gleichermaßen zuhause fühlt. Hinzu kommt ein ausgesprochen gutes Gespür für beide Musikrichtungen. Das Gros der gespielten Songs wurde zudem von Miki selbst, extra für dieses Projekt geschrieben, komponiert und arrangiert. Diese Tatsachen bildeten die Basis für das Gelingen des Projekts. Das die Umsetzung letztlich ein solcher Erfolg war, ist jedoch allen beteiligten Musikern zuzuschreiben. Miki, die Gastrapper, das Orchester, Alexander Shelley, die Band... allen merkte man den Spaß an der Musik, den Spaß am Projekt und am Auftritt selbst deutlich an, und diese Freude konnten sie von vorneherein über eine ausgesprochen gute Interaktion mit dem Publikum auf dieses transportieren. So wurde von der ersten Minute an eine sehr positive Atmosphäre geschaffen, und das Projekt "Opus 1" konnte zum vollen Erfolg werden.
Last Update: 28.10.2007
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