The Beatles – Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band

 

 

Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band wird als eines der besten Alben aller Zeiten, wenn nicht gar das beste Album aller Zeiten angesehen.
Mit über 700 Stunden Studiozeit und einem Budget von über 25000 Pfund war es für die damalige Zeit ein bombastisches Projekt ohnegleichen.

1. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
Als die Beatles 1967 dieses Album aufgenommen haben, hatte Paul McCartney die Idee, das Album so aufzunehmen, als sei Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eine richtige, eigenständige Band. So entstand dieses Intro, das uns die Band vorstellt. Der lange Bandname ist eine Parodie auf die Bands der 60er, die sich immer längere Namen gaben.
Das Publikum, das während des Liedes zu hören ist, wurde im Studio reingeschnitten. Die Beatles tourten zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. Die Aufnahme des Publikums stammte aus einem Beatles Konzert in der Hollywood Bowl.

2. With a little help from my friends
„With a little help from my friends“ geht ohne Pause aus dem Intro hervor, da beide Lieder am Stück aufgenommen wurden. Dies ist einer der wenigen Songs mit Ringo als Sänger. Er singt unter dem Pseudonym Billy Shears, der Mitglied der imaginären Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band ist. Die erste Zeile lautete ursprünglich "What would you do if I sang out of tune? Would you stand up and throw tomatos at me?". Ringo wollte sie aber so nicht singen, da er befürchtete, bei einem möglichen Live-Auftritt tatsächlich mit Tomaten beworfen zu werden.
Oftmals wurde spekuliert, dass mit den “Freunden” Drogen gemeint seien.

3. Lucy in the sky with diamonds
In diesem psychedelischen Song sind die Bezüge zu Drogen eindeutig. Das Stück ist eines der größten Highlights der psychedelischen Welle des Jahres 1967. Damals wurde es allerdings von verschiedenen Sendern, wie z.B. der BBC, boykottiert. Die Symbolik, die John Lennon benutzt, ist angelehnt an Alice im Wunderland. Später erklärte er, dass mit dem “Girl with kaleidoscope eyes” Yoko Ono gemeint war. Inspiriert wurde er außerdem von einer Zeichnung seines Sohnes, der eine Schulfreundin mit dem Namen Lucy gemalt und ihr Sterne in die Augen eingefügt hatte.
George spielt in diesem Lied die Tambura (nicht die Sitar!), ein traditionelles indisches Instrument. Ende der 60er wurde die Verwendung orientalischer Instrumente immer populärer.
Ein Jahr später veröffentlichte John Fred mit seiner Playboy-Band die Parodie “Judy in disguise with glasses”.

4. Getting better
Diesen Song schrieb Paul ursprünglich für seinen Hund. George spielt erneut die Tambura.
Dies ist ein für Paul typischer, positiver Song, wie er auf vielen Beatles Alben zu finden ist.

5. Fixing a hole
In diesem Lied ging es tatsächlich darum, ein Loch zu reparieren. Da dies vielen zu trivial für einen McCartney-Song war, wurden schnell wieder irgendwelche Bezüge zu Drogen gesucht. So wurde „fixing“ als Symbol für das Fixen bei Drogen gesehen. Dabei schrieb Paul das Lied wirklich, nachdem er ein Loch im Dach seiner Farm repariert hatte. Und darum geht es in dem Song.

6. She’s leaving home
Diesen ernsteren Track schrieb Paul, nachdem er in einer Zeitung von einem Mädchen gelesen hatte, das von Zuhause ausgerissen war. John steuerte einige Dinge aus der eigenen Kindheit als Trennungs-Kind bei. John und Paul singen beide, und für den Refrain wurden die Stimmen dazu noch gedoppelt, so dass es vierstimmig klingt.
Die Instrumente wurden für dieses Lied komplett von Studio-Musikern eingespielt und nicht von den Beatles.

7. Being for the benefit of Mr. Kite!
Diesen Song über die große „Show tonight“ schrieb John, nachdem er ein Poster für einen Zirkus gesehen hatte. Das im Lied erwähnte „Henry the Horse“ war auf diesem Poster zu sehen (Wenn auch mit anderem Namen). Dennoch wurde auch in diesen Song ein Drogenhintergrund hineininterpretiert, da „Horse“ ein typischer Slang-Ausdruck für Heroin ist.
Ringo und George spielen die Harmonika.

8. Within you without you
Als die Beatles Mitte der 60er Jahre nach Indien zu einem Guru flogen, um sich von ihrer Drogensucht zu befreien, begann George sich immer mehr für die indische Religion und Traditionen zu interessieren. Ravi Shankar unterrichtete ihn im Spielen von traditionellen indischen Instrumenten. George schrieb daraufhin dieses Lied, das auf einem alten Stück von Ravi Shankar basiert. Er spielte es ohne die anderen Beatles ein und engagierte indische Musiker. Das Stück war ursprünglich gut 30 Minuten lang, und wurde für das Album auf 5 Minuten gekürzt.
Da indische und orientalische Instrumente Ende der 60er Jahre allgemein sehr populär wurden, passte dieses Lied sehr gut.

9. When I’m sixty-four
Die Musik zu diesem Stück schrieb Paul schon als 15 jähriger. Den Text fügte er dann anlässlich des 64. Geburtstags seines Vaters ein. Schon vor ihrem Durchbruch spielten die Beatles das Lied in seiner ursprünglichen Form bei ihren Clubkonzerten. Als es für Sgt. Pepper aufgenommen wurde, arrangierte es Produzent George Martin bewusst im Stil des 20er Jahre Jazz. Der Gesang von Paul wurde etwas beschleunigt. Eine der vielen technischen Spielereien, die die Beatles für Sgt. Pepper nutzten.
John war von dem Lied weniger begeistert und sagte, dass er nicht einmal im Traum daran denken würde, so einen Song zu schreiben.

10. Lovely Rita
Rita ist ein „Meter maid“, also eine Politesse. Paul hatte die Idee zu dem Song, als eine Politesse gerade dabei war, ihm einen Strafzettel auszustellen. Das Lied sollte eigentlich eher etwas verärgert klingen, wurde aber letztlich, wieder typisch Paul, ein sehr fröhlicher Song.
Die beiden Klaviere werden von George Martin gespielt, und im Hintergrund hört man Kämme, die über einen Papierrand gezogen werden. Außerdem ist Pauls Stimme auch hier beschleunigt.

11. Good morning good morning
John Lennon war bei den Beatles normalerweise für die ernsteren Lieder mit anspruchsvolleren Texten zuständig. So ist es wenig verwunderlich, dass er diesen von ihm geschriebenen Song als „Stück Müll zum wegwerfen“ bezeichnet. Das „Good morning good morning“ entstammt einer Werbung für Corn flakes. Die Zeile „It’s time for tea and meet the wife“ bezieht sich auf die erfolgreiche TV-Serie „Meet the wife“. Die Tiergeräusche wurden von einer Sound-Effekte-CD eingefügt.

12. Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band (Reprise)
So wie „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ mit „We’re Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band, I hope you will enjoy the show“ das Intro zum Album war, ist es mit „We’re Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band, I hope you have enjoyed the show“ auch das Outro des Albums. John, Paul und George singen das Lied zu dritt.

13. A day in the life
„A day in the life“ gilt heute als womöglich bester Beatles-Song.
Die erste Strophe bezieht sich auf den Tod des Guinness-Erben Tara Browne, der bei einem Autounfall ums Leben kam. John hatte darüber in der Daily News gelesen. Der zweite Teil bezieht sich auf den Film „How I won the war”, in dem John eine Rolle spielte. Die dritte, von Paul geschrieben und gesungene Strophe, war später ein Grund, warum das Lied nicht im Radio gespielt werden durfte, da es die Zeile “Found my way upstairs and had a smoke (…) and I went into a dream” enthielt, die als Drogenanspielung gesehen wurde. Diese Strophe war eigentlich für ein anderes Lied geplant. Die vierte und letzte Strophe ist dann wieder von John, und bezieht sich auf einen Zeitungsartikel aus der UK Daily Express, in dem berichtet wurde, dass die Straßen in Blackburn über 4000 Schlaglöcher hatten, und es genügend Asphalt verbrauchen würde, sie zu stopfen, um die komplette Royal Albert Hall zu füllen.
Für die musikalische Unterstützung bei der Bridge nach der zweiten Lennon, und der McCartney-Strophe sorgte ein 41köpfiges Orchester, das von Paul dirigiert wurde. Sie beginnen mit den tiefsten Tönen ihrer Instrumente und enden bei den höchsten.
Ganz zum Schluss, nach dem letzten Ton, bläst John eine Hundepfeife, die von Menschen nicht gehört werden kann. Bei der Vinyl-Ausgabe folgt darauf ein wenige Sekunden langes, unsinniges und fast nicht zu identifizierendes Geplapper der Beatles und George Martin im Studio, das in der Auslauf-Rille der Platte immer wiederholt wird. Dieses wurde auch ans Ende der CD gepresst. Es wird nach ein paar Wiederholungen ausgeblendet.
Während der Aufnahmen zu diesem Song war auch David Crosby im Studio in der Abbey Road. Er erzählte später, dass er neben den Beatles und George Martin der erste war, der “A day in the life” hörte, und es ihn “High as a kite” machte.

 

Gesamt:

Als „Sgt. Peppers Lonley Hearts Club Band“ 1967 erschien, setzte es neue Maßstäbe im Musikgeschäft.
Schon seit 1965 und dem Album „Rubber Soul“ entwickelten sich die Beatles immer weiter weg von dem poppigen Rock ’n Roll, mit dem ihnen Anfang der 60er der Durchbruch gelang. Auf „Revolver“ fingen sie in größerem Maße an, mit Instrumenten und Effekten zu experimentieren, was in Sgt. Pepper den Höhepunkt erreichte. Die Instrumentalisierung und die Arrangements wurden komplexer, ebenso die Textstrukturen der Lieder. Sound-Effekte wurde ausgiebig benutzt, und auch einfachste Tricks, wie z.B. das Streifen eines Kamms über den Rand eines Blattes Papier, oder das Untertauchen des Mikrofons, fanden Verwendung. Dazu wurde besonderen Wert darauf gelegt, dass es zwischen allen Songs fließende Übergänge gibt, und es nie zu einem Bruch im Fluss des Albums oder zwischen den Stilen zweier aufeinender folgender Lieder kommt. Deswegen wurden auch ein paar Songs direkt ineinander übergeblendet oder direkt am Stück aufgenommen.
Das Album wird heute oft als Konzeptalbum angesehen, was so nicht richtig ist. Es ist ein in sich rundes und homogenes Gesamtkunstwerk, das eben dadurch und durch die fließenden Übergänge zwischen den Liedern (die durch die CD größtenteils verloren gegangen sind) und durch das Sgt. Pepper Thema nur wie ein Konzeptalbum wirkt.

Es ist aber nicht nur das musikalische, was an Sgt. Pepper revolutionär war. Auch in der Vermarktung betraten die Beatles neue Pfade. Bis zu diesem achten Album wurden alle Beatles-Alben in Amerika und England mit verschiedener Anordnung der Lieder veröffentlicht. Bei den alten Rock & Roll Platten war dies nie ein Problem, aber spätestens bei „Revolver“, bei dem die Songs von den Beatles bewusst in dieser Reihenfolge angeordnet waren, störten sie sich sehr über die neue Anordnung bei der amerikanischen Ausgabe des Albums. So wurde es zum festen Bestandteil des Plattenvertrags der Beatles für alle kommenden Alben, dass sie die alleinige Entscheidungsgewalt über solche Änderungen an ihren Alben haben sollten. Angefangen bei Sgt. Peppers, das somit das erste Beatles-Album war, das weltweit dieselbe Tracklist hatte.
In den 60ern war es außerdem noch so, dass Singles das Hauptmedium waren, um Musik zu vermarkten und zu verkaufen. Alben waren, anders als heute, zweitrangig. Die Beatles trugen mit diesem Album stark dazu bei, dass sich dies ändern sollte. Vom Sgt. Pepper Album wurde keine einzige Single ausgekoppelt. Das Album wurde als Gesamtkunstwerk angesehen und sollte nicht zerstückelt werden. Durch die fließenden Übergänge zwischen den Liedern, z.B. zwischen „Sgt. Peppers Lonley Hearts Club Band“ und „With a little help from my friends“, wurde es den Radio-DJ’s zusätzlich schwer gemacht, die Lieder einzeln zu spielen.
Dieses Album war außerdem das erste, das die Songtexte abgedruckt hatte. Das Cover ist ebenfalls bedeutsam. Die Beatles sollten alle eine Liste von Persönlichkeiten machen, die sie auf dem Cover haben wollten. George wollte nur Gurus, Ringo sagte nur „Was die anderen wollen, ist ok für mich“, und John wollte unter anderen auch Jesus, Gandhi und Hitler. Jesus wurde weggelassen, weil Johns Vergleich „Wir sind größer als Jesus“, kurz zuvor für negative Schlagzeilen gesorgt hatte. Hitler wurde allerdings nicht komplett weggelassen. Seine Hand, erhoben zum Hitlergruß, ist über Pauls Kopf zu sehen.

 

Last Update: 17.08.2005
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Kommentare zu diesem Artikel

Name: Isabelle Maierhofer
Kommentar:
Ich finde diesen Artikel sehr gut.Manches wusste ich noch nicht. Ich bin Ihrer meinung das Sgt.Peppers Lonley Hearts Club Band eines der besten Alben ist.
Schreiben Sie nur Artikel oder haben Sie auch Schallplatten von den Beatles die Sie verkaufen wollen?

Machen Sie weiter so!


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