Rage Against the Machine - European Tour 2008

 

 

Lange Zeit ist es her, dass Rage Against the Machine zu einem Solo-Konzert nach Deutschland kamen. Nach der Wiedervereinigung im Januar 2007 stand der Festivalsommer 2008 in Europa an. Da spekulierte so mancher über des ein oder andere Solo-Konzert, wo man doch schon einmal auf dem Kontinent ist. Die Spekulanten sollten Recht behalten. Im Februar wurde das Solo-Konzert in Berlin angekündigt. Zu diesem Zeitpunkt das einzige Solo-Konzert zwischen den verschiedenen Festivals. Und so wurden ruck-zuck die Karten bestellt, und der Flug nach Berlin gebucht.

Der Veranstaltungsort wurde diesem großen Ereignis auf den ersten Blick absolut gerecht: Die Zitadelle Spandau (Oder "Spandeau", wie es auf den offiziellen Tour-T-Shirts geschrieben stand...), eine Renaissance-Festung an der Westgrenze der Stadt. Circa 8000 Personen fasst der Innenhof der Zitadelle, und die Karten waren wie erwartet ausverkauft. Über eine Stunde vor Konzertbeginn ging es über den Burggraben, was schon viel zu spät war, um noch ein Bändchen für die erste Welle zu ergattern. So mussten wir uns mit der zweiten Welle zufrieden geben.

Das Konzert wurde mit Verspätung um 19:45 Uhr von Anti-Flag eröffnet. Die amerikanische Polit-Punk-Band war eine sehr passende Band, und machte auch gleich gut Stimmung. Ihr Set endete um 20:25 Uhr, und so stieg die Spannung unter den dicht gedrängt stehenden Fans.
Wie gewohnt ließen sich RATM dann aber noch einmal gehörig Zeit. Und obwohl die Umbauarbeiten um kurz vor 9 abgeschlossen waren, betraten die vier Musiker erst um halb 10 die Bühne. Das Warten wurde dadurch erschwert, dass der gesamte Innenhof der Zitadelle mit Rindenmulch ausgelegt wurde. Bei ca. 30° C und absoluter Windstille, hatte dies zur Folge, dass die ganze Luft etwas staubig und muffig war. Als dann aber die Alarmsirenen erklangen, der riesige rote Stern gehisst wurde, und nach Zacks Standardbegrüßung ("Good evening, we're Rage Against the Machine from Los Angeles, California") der erste Ton von "Testify" erklang, gab es dann kein Halten mehr, und die lange und nervige Wartezeit war vergessen. Vom ersten Ton an Sprang jeder in der Menge, und bis auf einige kurze Verschnaufpausen, ging es auch bis zum Ende um 23 Uhr so weiter. Eine umso größer einzuschätzende Leistung der Anwesenden, wenn man bedenkt, dass aufgrund des vom springen aufgewirbelten Rindenmulchs die Luft so Dreckgeschwängert war, dass man ohne T-Shirt vor dem Mund nicht einmal richtig einatmen konnte. Die Band tobte durch alle Klassiker, und kam schließlich zu den üblichen zwei Songs als Zugabe noch einmal auf die Bühne. "Killing in the name" stellte einmal mehr den überragenden Abschluss. So war es schließlich schon immer, seit der Wiedervereinigung. Doch als sich nach diesem Song die ersten auf den Heimweg machten, gab es noch eine Überraschung: RATM spielten noch eine zweite Zugabe. So wurde den Fans dann wirklich das volle Programm geboten:

Testify
Bulls on parade
People of the sun
Bombtrack
Know your enemy
Bullet in the head
Clampdown
Guerrilla radio
Ashes in the fall
Calm like a bomb
Sleep now in the fire
Wake up

Freedom
Township rebellion

Killing in the name

Tire me
War within a breath

Zack hielt sich mit seinen Ansprachen sehr stark zurück, und sprach lediglich vor "Wake up" einmal kurz mit dem Publikum. Dabei thematisierte er natürlich vor allem den Besuch Bushs in Berlin, der am selben Tag stattfand. Während den Songs titschte Zack wie gewohnt über die Bühne, Tom Morello überzeugte einmal mehr mit überragenden Solos, und die Rhythmus-Sektion um Tom und Brad bediente die Fans mit den kräftig funkigen Rhythmen, die zum Springen und Pogen anheitzen.

Nach dem Konzert verließen fast 8000 Menschen körperlich völlig am Ende, aber innerlich dafür absolut glücklich die Zitadelle. Das man durch den Dreck und Staub im Gesicht und auf den Kleidern wie ein Minenarbeiter aussah, machte da auch nichts mehr. Und durch das überdurchschnittlich gute Nahverkehrsnetz der Berliner Verkehrbetriebe war es dann auch kein Problem, bis an das gegenüberliegende Ende der Stadt zu kommen, wo wir unsere Unterkunft hatten.

 

 

Last Update: 14.06.2008
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