Manu Chao & Radio Bemba Sound System - Tour 2007

 

 

Nachdem es über vier Jahre etwas ruhiger um Manu Chao wurde, ging er im Jahr 2006 wieder auf Südamerika-Tour und besuchte einige europäische Festivals. Ein Jahr später erschien dann, nach insgesamt sechs langen Jahren, auch wieder ein Album des Sängers (Die Kinderbuch-CD "Sibérie m'était contéee" einmal ausgenommen). Die Veröffentlichung von "La Radiolina" bringt nun auch eine Europa-Tournee mit sich, und am 21. Oktober machten Manu Chao und seine Mundpropaganda-Kapelle (Radio Bemba Sound System) in Köln halt.

Die Eröffnung machte der nigerianische Sänger und Gittarist Keziah Jones, der mit seinem betont rhythmischen Rhythm and Blues, er spricht von Blufunk, eine gute halbe Stunde für Stimmung sorgte. Unter den Titeln stach neben dem Song "Rhythm is love", der auch Namensgeber für Jones' Best of Compilation war, das Bob Dylan Cover "All along the watchtower" heraus, welches er jedoch nicht in der Dylan-Version, sondern im Jimi Hendrix-Arrangement spielte. Das perkussive Gitarrenspiel, für das Keziah Jones bekannt ist, fiel auch auf der Bühne sofort auf, allerspätestens, als er seine Gitarre, vor ihr kniend, rein trommelnd spielte.

Auf die Vorgruppe folgt gewöhnlich eine halbe Stunde Umbauzeit, Radio Bemba ließen das Publikum nicht ganz so lange warten. Zusätzlich wurde die Wartezeit den Fans damit erleichtert, dass Manu Chaos Songs gespielt wurden. Wir versuchten die Pause zu nutzen, um von der Mitte der Halle weiter in Richtung Bühne zu kommen - Ein Unterfangen, das sich als deutlich schwerer herausstellte, als man es von anderen Konzerten gewohnt ist. Als die Band die Bühne betrat, waren wir vielleicht knappe fünf Meter voran gekommen. Als dann das Publikum zu den ersten Tönen der Band sofort kollektiv (Von der Bühne bis zur hintersten Reihe) mit tanzen und springen begann, wurde unsere kleine Gruppe schnell dezimiert. Erstaunlicherweise hatte man im Publikum tatsächlich überhaupt keinen Platz. Man stand Bauch an Rücken, konnte teilweise nicht springen, weil man eingeklemmt war, und musste teilweise springen, weil man zwischen zwei springenden Menschen feststeckte... Eine seltsame Situation. Entspannt wurde es dann (noch seltsamer), im Mosh Pit vor der Bühne (Den wir nach einem Drittel des Konzertes erreichten!). Hier wurde zwar wie gewohnt gepoged, man hatte aber endlich etwas mehr Platz und vor allem Luft.
Das Konzert an sich verlief wie üblich, bei Radio Bemba: Die wilden Patchanka-Songs wurden immer wieder unterbrochen durch die ruhigen folkloristischen Weltmusiksongs Mau Chaos, so dass man zwischen entspanntem schwelgen in der Musik, und der totalen Raserei wechselte. Die Band spielte die üblichen Live-Klassiker, wobei das Konzert dieses Mal mit der Botschaft der EZLN eröffnet wurde, die früher in der Mitte des Konzertes gespielt wurde. Der Mano Negra-Klassiker "King Kong five" fehlte. Dazu wurden einige Songs des neuen Albums gespielt.
Das Radio Bemba Kollektiv selbst, trat leider nur in reduzierter Form auf. Neben Manu Chao waren Gittarist Madjid (Der mit einem tollen Solo überzeugte), Bassist Gambit, Schlagzeuger David und Keyboarder Julio dabei. Percussionist Gerard wurde vom Mano Negra-Mitglied Phelipe vertreten, der dann auch den Mano Negra-Titel "Sidi h' bibi" singen durfte, während Manu Chao die Percussions übernahm. Gittarist Bidji, Posaunespieler Giani, Trompeter Roy und Akkordeonspieler B-Roy fehlten.
Nach knapp zwei Stunden verabschiedete sich die Band, um noch zweimal für mehrere Zugaben zurück auf die Bühne zu kommen. So ging der Auftritt letztlich rund zweieinhalb Stunden. Angesichts der immensen Anstrengung eines Manu Chao Konzerts, reicht das dann fast auch. Es bleiben eine an beiden Beinenden zerrissene Jeans, ein Paar kaputte und komplett verdreckte Schuhe, sowie ein T-Shirt, dass selbst am nächsten Morgen noch nicht komplett vom Schweiss getrocknet war. Ein überragendes Konzert!

 

 

Last Update: 24.10.2007
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