440Hz: Klassik & Comedy
Igudesman & Joo / Alexander Shelley & Schumann Camerata

 

 

Im Rahmen der 440Hz Konzertreihe, deren Ziel es ist ein jüngeres Publikum an die klassische Musik heranzuführen, wurden in den vergangenen Jahren unterschiedliche Musikstile, von A-capella Gesang über Rap zu Trance, mit Klassik gemischt. Die Konstante dabei waren das junge Orchester Schumann Camerata und ihr Dirigent Alexander Shelley. Nun wagen sich die Veranstalter noch ein Stück weiter. Für das aktuelle Konzert der Reihe wird die Klassik nicht mit einem anderen Musikstil gekreuzt, sondern mit Comedy. Dies klingt mutig, ist es allerdings nicht unbedingt, wenn man einen Blick auf das bisherige Schaffen der diesmaligen Gastkünstler wirft. Denn was diese beiden seit 2004 mit ihrem Programm „A little nightmare music“ abliefern, kommt einer Erfolgsgarantie gleich.

Igudesman und Joo sind klassisch ausgebildete Musiker, die sich schon in jungen Jahren in der Yehudi Menuhin Schule in London kennenlernten. Der russische Violinist Aleksey Igudesman wechselte nach Beendigung der Schule an das Konservatorium Wien, und veröffentlichte seither verschiedenste Aufnahmen, darunter größtenteils Eigenkompositionen (zuletzt in diesem Jahr seiner ersten Violinsonaten), sowie Aufnahmen mit seinem Streichtrio Triology, mit dem er auch erfolgreich die Welt betourte.
Für den koreanisch-stämmigen Engländer Richard Joo ging es nach der Yehudi Menuhin Schule ähnlich erfolgreich weiter. Er beendete seine Ausbildung an der Manhattan School of Music, und spielte anschließend als Solist mit vielen bekannten Dirigenten und Orchestern. Zudem ist er mit seinem Klaviertrio Dimension unterwegs, gewann den Internationalen Stravinsky Klavierwettbewerb und nahm Billy Joels klassisches Klavierwerk „Fantasies and delusions“ auf.
Obwohl sich die beiden Musiker schon als Kinder auf der Yehudi Menuhin Schule kennenlernten (Joo erzählt gerne, wie er auf der Schule von einigen Mitschüler, wie Aleksey Igudesman, herum geschubst und geärgert wurde), begannen sie erst im Jahr 2004 mit der Arbeit an einem vollständigen Programm, dass Klassik und Comedy verbinden sollte. Es entstand „A little nightmare music“, mit dem sie mehrere kleine Auftritte hatten. Die bei diesen Shows entstandenen Videos wurden ein Renner auf YouTube, und auf einmal waren Igudesman & Joo weltweit bekannt. Seitdem wurden sie zu zahlreichen Shows, Konzertreihe und Festivals eingeladen, und nun bereicherten sie auch die 440Hz Reihe um eine weitere Facette.

Die erste, knapp einstündige Hälfte der Show kam dabei noch fast ohne Comedy aus. Nach einer kurzen Eröffnung durch das Schumann Quartett, die aktuell ebenfalls eine Konzertreihe im Robert Schumann Saal spielen, begannen Alexander Shelley und Schumann Camerata mit Ruslan und Ludmilla von Mikhail Glinka. Im Folgenden spielte das Orchester zunächst mit Aleksey Igudesman seine Komposition Tango Russo, und anschließend den ersten Satz von Ravels Klavierkonzert in G-Dur mit Richard Joo. Die Overtüre zu Romeo & Julia von Vincenzo Bellini und Gabriel Faurés Sicilienne spielte dann wieder das Orchester, bevor alle gemeinsam den Blue Danube Waltz (Johann Strauss mit Bearbeitung durch Igudesman) und Igudesmans Komposition Uruguay spielten.
In der zweiten Hälfte stand dann die Comedy im Vordergrund. Igudesman und Joo gaben eine Auswahl der „Little nightmare music“ zum besten, angefangen bei „Mozart-Bond“, über „Rachmaninow had big hands“, „Ticket to ride“, den „Riverdancing violinist“ und das kreditkartengesteuerte Klavier bis hin zum großen Finale, „We will survive“.

Nimmt man die Stimmung im Saal als Gradmesser für den Erfolg der Show, so kann man wohl davon ausgehen, dass der Robert Schumann Saal an diesem Abend von niemandem enttäuscht verlassen wurde. Das Publikum war begeistert von der Show und allen Beteiligten. Allen voran natürlich Igudesman und Joo, aber natürlich auch Alexander Shelley und Schumann Camerata, für die es vermutlich auch nicht alltäglich ist, dass sie während einer Show auf einmal tanzen müssen. Insgesamt kann man einmal mehr von einem mehr als gelungenen Abend im Rahmen der 440Hz Reihe sprechen, die ihrem Anspruch, durch „Neue Frequenzen in der klassischen Musik“ auch junge Zuhörer für ebendiese zu begeistern, erneut völlig gerecht wurde.

 

 

Last Update: 22.12.2009
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