Mos Def - The new danger (2004)

1. Boogie man song
Eröffnet wird das zweite Solo-Album von Mos Def mit einem Jazz-Track. Produziert
von Mos Def und Raphael Saadiq, spielen die beiden auch die beteiligten Instrumente.
Raphael übernimmt Gitarre und Bass, Mos das Klavier und das Schlagzeug.
Dazu singt Mos, anstatt zu rappen.
Schon von dieser Eröffnung dürften die selbsternannten "realen"
Rap-Fans schockiert sein. Ein sehr gutes und sehr schönes Lied.
2. Freaky black greetings
Weiter geht es mit der Selbstvorstellung der Band Black Jack Johnson. Dieser
2:20 Minuten Semi-Instrumental Track, ist nur das Intro der Band.
3. Ghetto rock
Dieser Track wurde als B-Seite der ersten Single-Auskopplung "Sex, love
& money" gewählt. Hier gibt es zum ersten Mal echten Rap. Minnesota
liefert den sehr dumpfen Beat. Mos Def's Stimme ist ebenfalls gedämpft
und passt damit zum Beat.
"Yes we are Ghetto, yes we are Rock and Roll" ist die Message. Das
Eine schließt das Andere eben nicht aus... Die Kritik von vielen Rap-Fans
an diesem Album zeigt, dass das offensichtlich nicht alle so sehen.
4. Zimzallabim
Gemeinsam mit Produzent Easy Mo Bee liefern Black Jack Johnson hier zum ersten
Mal die Musik zu einem Track. Dabei beschränkt die Band sich auf den Refrain,
und in den Strophen gibt es einen normalen Rap-Beat, der nur zwischendurch kurz
von Gitarren-Riffen durchbrochen wird. Mos rappt so gut wie man es von ihm kennt.
5. The rape over
Hier wird der geneigte Rap-Fan schnell merken, dass dieser Beat nicht unbedingt
neu ist. Anstelle von einem alten Soul-Sample benutzt Produzent Kanye West hier
einen Beat, den er selbst schon einmal verwendet hat. Nämlich für
"The takeover" von Jay-Z. Nicht ganz zufällig ist dementpsrechend
also auch der Titel des Tracks: "The rape over".
War "The takeover" noch ein Diss gegen andere Rapper, beschäftigt
sich Mos Def auf dem sehr kurzen Track (1:34 Minuten) mehr mit der Rap-Industrie
allgemein. "Old white men is running this Rap-Shit, Corporate Force is
running this Rap-Shit (...), MTV is running this Rap-Shit".
6. Blue black Jack (w/ Shuggie Otis)
Mit dem Namen Shuggie Otis werden wohl die meisten Rap-Fans nicht mehr viel
anfangen können. In den 70ern war er allerdings einer der wichtigsten Soul/Funk/R&B-Künstler.
Der Gitarrist lieferte damals schon einen innovativen Sound. Das Mos Def seine
Musik damals zu schätzen wusste, zeigt nun dieses Feature. Shuggie spielt
die Rhytmus Gitarre und das Gitarren-Solo in diesem Blues. Minnesota liefert
die Rest-Musik, die auf dem Standart-Blues Rhytmus basiert.
Mos Def schwankt zwischen kurzen Raps und Gesang, aber dieser Track
ist sowieso mehr musikalisch ausgerichtet, als lyrisch.
7. Bedstuy parade & Funeral march (w/ Paul Oscher)
Nach Shuggie Otis gibt sich sofort der nächste Star die Ehre. 1968 bis
in die 70er hinein war Paul Osher der erste weiße Blues Musiker, der in
der Band des legendären Muddy Waters spielen durfte. Auf diesem Gemisch
aus Blues und einem Marsch singt Mos Def seine Strophe.
8. Sex, love & money
Die erste Single-Auskopplung des Albums ist wieder ein klassisches Rap-Stück.
Mos Def rappt auf einem Beat von Baby Dubb Warryn Campbell. Mos kann hier mal
sein Können am Mic nochmal so richtig aufblitzen lassen. Der Beat überzeugt
auch absolut. Der Bass wird neben den normalen Drums in erster Linie von einer
Pauke geliefert, dazu gibt es kurze Stöße von Bläsern und vor
allem eine Flöte, die die Strophen begleitet. Ein sehr guter Rap-Track.
9. Sunshine
Kanye West Produktion Nummer 2 kommt so daher, wie man es in der letzten Zeit
sehr oft von Kanye gehört hat. Der Beat wird um ein Sample aus einem Soul-Stück
aufgebaut, dass jeder kennt. In diesem Fall "Let the sunshine in"
von The Fifth Dimension, bzw. Diana Ross und den Supremes. Der Refrain wurde
einfach gelassen, wie er auch im Original ist. Dazwischen flowed Mos Def exzellent
über den sehr melodischen Beat.
10. Close edge
Dieser Track ist der einzige des Albums, der mir nicht so richtig gefällt.
Minnesota liefert einen Beat, der einerseits elektronisch ist, andererseits
durchgehend von Bongo-Spiel begeleitet wird. Dieser Beat ist es auch, der dieses
Lied irgendwie zu roh und leer klingen lässt. Im Refrain wird "The
message" von Grandmaster Flash und den Furious Five gesampled.
11. The panties
Jetzt kommen wir langsam in den Soul-Teil des Albums.
Auch hier kommt die Musikalisierung von Minnesota. Der Beat beginnt sehr ruhig,
und wird dann, wenn das Schlagzeug einsetzt, etwas schneller.
Mos Def singt ein Liebslied. Ein sehr schönes Soul-Stück, dass mal
wieder zeigt das Mos nicht nur sehr gut rappen, sondern auch gut singen kann.
Allerdings ist das Lied für die Gesamtlänge von 4:11 Minuten etwas
zu eintönig.
12. War
"War" beginnt mit einem relativ harten Beat, und etwa in der Mitte
des Stücks, nach einem kurzen Interlude, setzen dann Black Jack Johnson
noch einmal ein, und liefern noch etwas mehr Härte.
Produziert ist der Beat von Psycho Les von den Beatnuts.
13. Grown man business (Fresh vintage bottles)(w/ Minnesota)
Bei diesem Track ist Minnesto nun nicht nur als Produzent, sondern auch mal
als Rapper tätig. Der Beat beinhaltet ein Sample aus "Simon says"
von Pharoahe Monch.
14. Modern Marvel
Der wohl interessanteste Track des Albums könnte "Modern Marvel"
sein. Dieser Tribute-Track an Marvin Gaye beginnt mit einem sehr verlangsamten
und verfälschten Sample aus "What's going on". Mos Def singt
darüber einen schönen Soul-Song. Nach ca. 2:30 Minuten wird der Track
zunächst ausgeblendet, dann aber wieder eingeblendet und das Schlagzeug
setzt ein. Der entstandene etwas schneller Beat hält sich bis ca. 5:50
Minuten. An dieser Stelle wird auch dieser Beat ausgeblendet, und dann wieder
so eingeblendet, dass ein Rap-Beat, basierend auf "What's going on"
entsteht. Ab hier rapt Mos Def dann auch über Marvin.
Produziert ist auch dieser Track von Minnesota.
15. Life is real
Mit einem typischen Rap-Song geht es weiter. Der Beat kommt von Molecules. Wer
über die "Realness" von Mos Def und seiner Musik diskutieren
möchte, kann sich diesen Track anhören. "What I spit and I write
is real, because my life is real".
16. The easy spell
Dieser Crossover Track ist geschrieben und produziert von Mos Def, der auch
alle Instrumente spielt.Der größte Teil des Textes wird dabei gerappt.
17. The beggar
Der letzte Track mit Beteiligung von Black Jack Johnson ist einer der schönsten
Soul-Tracks, die das Album zu bieten hat. Der Beat ist dabei die ersten drei
bis vier Minuten sehr simpel gehalten. Lediglich Schlagzeug und Orgel spielen.
Dann setzt auch die Gitarre ein, hält sich aber sehr zurück. Der sehr
romantische Song, ist das zweite Liebeslied des Albums. Erwähnenswert ist
auch das sehr schöne Gitarren-Solo bei etwa 2:30 Minuten.
18. Champion requiem
Nach dem gesprochenen Outro von Mos Def folgt der letzte Track dieses Albums.
88 Keys sitzt dabei an den Reglern.
Zum Schluß gibt es noch einmal ein etwas härters Rap-Stück.
Teile des Tracks sind Tributes an einige verstorbene Musiker wie Aaliyah, Left
Eye, Jam Master Jay, BIG, 2Pac, Freaky Tah, Big L ... "Everything must
come to an end".
Gesamt:
Endlich! Endlich liefert Mos Def uns sein zweites Solo-Album! Aber dieses Album
ist so gar nicht das, was die Fans erwartet haben.
Erinnern wir uns zurück: 1998 veröffentlichte Rawkus Records, das
wohl wichtigste Underground Rap-Label der späten 90er und der ersten Jahre
des neuen Jahrtausends, das Album "Mos Def and Talib Kweli are Black Star".
Dieses Album brachte zwei der wohl anerkanntesten Rapper der folgenden Zeit
an die Öffentlichkeit. Das Black Star Album wurde schnell zu einem Meilenstein
der Rap-Geschichte gemacht, und Mos Def und Talib Kweli begannen ihre Solo-Karrieren.
Also Mos 1999 "Black on both sides" auf den Markt brachte, sein erstes
Solo-Album, wurde er als der große Retter des wahren Hip-Hops gefeiert,
und jeder Rap-Fan, der von seinem Fachwissen überzeugt war, nannte von
da an Mos Def als einen seiner drei Lieblingskünstler.
Exakt fünf Jahre (Der US-Release war auf den Tag genau fünf Jahre
nach dem Release von „Black on both sides“) nach diesem Album liefert
Mos Def nun endlich sein zweites Solo-Album. Und für dieses Album, "The
new danger" wird er jetzt von genau den Leuten kritisiert, die in ihm den
wahren Retter der Hip-Hop Bewegung sahen.
Da es seit 2002 schon Gerüchte darüber gab, dass Mos Def möglicherweise
ein reines Rock-Album auf den Markt bringen wolle, war der erste Kritikpunkt
schnell gefunden: Das Album ist viel zu sehr Rock, und viel zu wenig Rap. Diese
Kritik stützt sich allerdings nur auf die genannten Gerüchte, und
auf eine Meinung, die sich jemand nach dem hören der ersten vier Tracks
gebildet hat. Denn ab dann gibt es kaum noch Rock.
Dann gibt es noch die Gruppe, die sich "Reale Rap-Fans" nennt, und
immer von "Realness", als Gegenstück zu "Sellout, Mainstream,
Kommerz und Backpacker-Musik" sprechen. Diese "Fans" werfen dem
Album vor, dass es nicht realer Hip-Hop ist, und Mos Def seine "realen"
Fans verraten würde. Aber diese Menschen haben einfach mal wieder nichts
verstanden.Ihre Meinung stützt sich in erster Linie auf Engstirnigkeit
und Ignoranz. Kurz gesagt: Das Album ist für diese Leute zu Anspruchsvoll.
Was Mos Def mit diesem Album produziert hat, ist allerdings wirklich kein Rap-Album
im ursprünglichen Sinn. Aber es ist ein Hip-Hop Album, und es ist vor allem
ein Hip-Hop Musik-Album. Ist denn purer und urspprünglicher Rap die einzige
Stil-Richtung, in der man die Hip-Hop Kultur musikalisch ausdrücken kann
und vor allem darf?
Das Album hat viel zu bieten. Es gibt Jazz (Track #1), Soul (#11, #14, #17),
Rock (#2, #4, #12), Crossover (#16) und sogar Blues (#6, #7). Aber vor allem
bietet es Rap! (#3, #5, #8, #9, #10, #12, #13, #15, #18)
Zu behaupten, dass das Album kein Rap-Album wäre, ist also falsch. Aber
Mos Def zeigt hier, dass er kein eindimensionaler Musiker ist. Das er auch singen
kann, hat er schon früher des öfteren aufblitzen lassen. Hier kann
er das auf einigen Soul-Tracks so richtig zeigen. Er kann all Das musikalisch
umsetzen, was er liebt, und was ihn geprägt hat. Mit Gästen wie Shuggie
Otis und Paul Osher hat er zwei berühmte Blues/Soul/Funk Musiker der 70er
in zwei seiner Songs eingebaut. Als Verehrer von Marvin Gaye, liefert der dem
verstorbenen Soul-Sänger gleich einen exzellenten fast 10 minütigen
Tribute-Song.
Als Fan der Rock-Musik, hat er sich mit der Band Black Jack Johnson einer verdammt
gute Unterstützung an Board geholt. Die Band ist nach Jack Johnson benannt,
dem ersten schwarzen Boxer, der den Weltmeistertitel im Schwergewicht erringen
konnte. Das war 1908. Die Band ist besetzt mit Will Calhoun am Schlagzeug, er
war Mitglied der erfolgreichen Band "Living Color" und arbeitete als
Studio-Musiker unter Anderen mit B.B. King, Mick Jagger, Run-DMC oder Public
Enemy zusammen. Doug Wimbish spielt den Bass. Er begann seine Karriere als Studio-Bassist
des legendären Sugar Hill Records Label. Später war er ebenfalls Mitglied
bei "Living Color" und spielte im Studio mit Musikern wie Madonna,
Mick Jagger, den Rolling Stones oder Seal. An der Gitarre steht Gary Miller.
Er war Mitglied der jamaikanischen Punk-Band Bad Brains. Bernie Worrell am Keyboard
war Musiker, Produzent und Songwriter der Band "Parliament- Funkadelic",
die es auf mehr als 50 Alben brachte. Seine Musik wurde für Samples in
Track von Dr. Dre, Ice Cube, Salt 'n' Pepa, Snoop Dogg, En Vogue, Digital Underground,
Heavy D, De La Soul und Anderen benutzt. Inzwischen ist er sogar in die Rock
'n' Roll Hall of Fame aufgenommen worden!
Die Band ist also durchaus Congenial zu Mos Def.
Das das Album allerdings nicht den Geschmack eines jeden Rap-Fans trifft, ist
selbstverständlich ganz natürlich. Wer ein pures Rap-Album erwartet,
wird zunächst etwas enttäuscht sein. Wer allerdings neben Rap auch
etwas für andere Musikrichtungen übrig hat, wird an diesem Album gefallen
finden. Es ist ganz klar, dass nicht jeder Rap Fan dieses Album mögen wird,
aber das ist ja auch nichts schlimmes. Zu sagen, dass Mos Def abgefallen ist,
ist dagegen falsch. Er hat sich aber definitv verändert. Und bestimmt wird
es einige Rap-Fans geben, deren Geschmack dieses Album nicht mehr trifft. Für
die Anderen dageben, dürfte dieses Album eines der innovativsten und abwechslungsreichsten
Hip-Hop Alben aller Zeiten sein.
Last Update: 16.08.2005
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