Bruce Springsteen & the E-Street Band - 2008 Tour

Wieder einmal ist der Boss in Deutschland unterwegs. Die Magic-Tour brachte ihn bereits Ende letzten Jahres nach Deutschland, und wiederum ein Jahr früher, war er mit der Seeger Sessions Tour hierzulande zu Besuch. Für den Sommer wurde nun ein Termin in Düsseldorf eingeschoben, der Auftakt zu diesem Europa-Leg der Tournee. Die LTU-Arena war mit knapp 40.000 Besuchern fast vollständig ausverkauft, und das, obwohl gleichzeitig die deutsche Fussball-Nationalmannschaft ihr drittes EM-Vorrundenspiel gegen Österreich bestritt. Als guter Gast wünschte Bruce dem deutschen Team dann auch noch viel Erfolg. Dabei sprach er, wie auch bei der Begrüßung, ein fast akzentfreies Deutsch.
Das Konzert
begann fünf Minuten nach 20 Uhr mit "Jackson cage". Allerdings
spielte die Band noch keine zwei Minuten, als das Stromnetz zusammenbrach. Springsteen
und die Band brachten den Song unplugged zu ende, dann gab es zwangsläufig
eine kurze Pause. Es folgte "Night", bis der Strom in der ersten Minute
von "Radio nowhere" erneut zusammenbrach. "Who would've thought
that electricity is that important", merkte der Boss an, und die Fans begannen
mit "Zugabe, Zugabe" Gesängen. Springsteen nutzte die Pause währenddessen,
indem er sich mit den Fans in den vorderen Reihen unterhielt, Autogramme gab
und Songwünsche einsammelte, die dann auch tatsächlich den Weg in
die Setlist fanden, welche dadurch von 25 auf 28 Songs aufgestockt wurde. Schließlich
gab es dann aber doch wieder Strom, und Springsteen merkte an: "Yes, the
E-Street Band is 100% live!". Im folgenden Hauptteil des Konzertes, arbeitete
die Band die gesamte Zeit von "Greetings from Asbury Park" (1973 -
"Spirit in the night") bis zum 2007er Werk "Magic" auf.
Auf letzterem lag der Schwerpunkt des Sets, insgesamt wurden sieben der 12 Songs
gespielt. Die restlichen Songs verteilten sich auf die Alben der letzten 35
Jahre, wobei nur wenige der wirklich großen Hits den Weg ins Programm
fanden. Sowieso stellt die Band für jedes Konzert eine komplett neue Setlist
zusammen, mit Sicherheit einer der Gründe, dass ihnen bis heute der Spaß
an Konzerten nicht annähernd vergangen ist. An diesem Abend bevorzugten
sie Live-Klassiker, sowie die Songs, die musikalische Improvisation zuließen.
So kam es dann schon einmal vor, dass die Songs über 10 Minuten gestreckt,
und lieber das ein- oder andere Gitarren- oder Saxophon-Solo mehr eingebaut
wurde. Unter den Solos stach dabei besonders Nils Lofgren heraus, der ein überragendes
Solo zum, von Springsteen geschriebenen, Patti Smith Hit "Because the night"
beisteuerte. Überhaupt bewiesen die E-Street Musiker einmal mehr, was für
eine fantastische Band sie sind. Steven van Zandt überzeugte neben Lofgren
als zweiter Lead-Gitarrist, Gary Tallent und Max Weinberg lieferten wie üblich
die Rhythmen an Bass und Schlagzeug, Roy Bittan sorgte am Keyboard für
den richtigen Sound, und Soozie Tyrell spielte Gitarre und Violine. Rein optisch
fiel besonders der "Big Man" Clarence Clemons auf: In einem bodenlangen
schwarzen Mantel mit goldener Verziehrung, schwarzem Bandana und schwarzem Hut
darüber, stand er meist am linken Bühnenrand, und schritt nur zu seinen
Saxophon-Solos bedächtig in die Mitte der Bühne. Überraschenderweise
fehlte auch Patti Scialfa, neben dem traurigerweise erst kürzlich verstorbenen
Organist Danny Frederici. Der Abschluss des Hauptsets wurde einmal mehr mit
"Long walk home" eingeläutet, und der Klassiker "Badlands"
sorgte dafür, dass die Band unter dem Singen der Fans die Bühne verließ.
Zur Zugabe ließ sich die E-Street Band dann nicht allzu lange bitten,
und für die Fans sollte nun erst der eigentliche Höhepunkt des ohnehin
schon sehr starken Konzerts folgen. Da es endlich dunkel geworden war, kam die
Lichtshow zum ersten Mal voll zum tragen, und nun folgten Hit and Hit. "Girls
in their summer clothes", "Tenth avenue freeze-out", "Born
to run", "Glory days", "Dancing in the dark" und "American
land". Die Band spielte nahtlos von einem in den nächsten Song und
fast 40.000 Fans standen, sangen, tanzten und klatschten im gesamten Stadion.
Am Ende wurden die einzelnen Bandmitglieder noch einmal vorgestellt, und zu
"American land" wurde der Songtext zum Karaoke an die Videoleinwand
geworfen. Nach fast drei Stunden verließ die E-Street Band schließlich
die Bühne, und fast 40.000 Fans verließen glücklich und völlig
zufrieden die Arena.
Die Erwartungen an ein Konzert der E-Street Band sind traditionell extrem hoch, schließlich eilt der Band um Bruce Springsteen der Ruf einer des besten Live-Bands aller Zeiten voraus. Umso erstaunlicher ist es dann, wenn das Konzert die Erwartungen fast noch übertrifft. Zwei Stromausfälle, die in der Folge eine absolut nicht perfekte Akustik nach sich ziehen, können bei so manchem Musiker schon einmal den Todesstoß für das Konzert bedeuten. An diesem Abend war es nicht nur kein Todesstoß, es spielte eigentlich gar keine Rolle. Trotz aller Einbußen am Sound, war das Konzert im Prinzip eine große Party, und drei Stunden beste Unterhaltung. Dies liegt natürlich in erster Linie an der gebotenen Musik, die perfekt von den Virtuosen an den verschiedenen Instrumenten dargeboten wird, im Fall von Bruce Springsteen spielt aber auch seine Bühnenpräsenz eine große Rolle. Springsteen ist ein Star zum anfassen, der sichtlich riesigen Spaß bei seinen Auftritten und beim Kontakt mit dem Publikum hat. Spielt er einmal nicht die Gitarre, kniet oder sitzt er am Bühnenrand, lässt sich von den Fans anfassen schüttelt Hände, oder lässt sie mit sich singen. Das Lachen verschwindet dabei nie aus seinem Gesicht. Diese gute Laune, und der Spaß an der Sache überträgt sich vollständig auf das Publikum, so dass jeder das Gefühl hat, dass an diesem Abend alle Anwesenden, Band und Publikum, einfach nur gemeinsam Spaß an der Musik haben.
Setlist:
Jackson
cage
Night
Radio nowhere
Lonesome day
The promised land
Spirit in the night
Magic
Trapped
Prove it all night
Darkness on the edge of town
Darlington county
Because the night
She's the one
Livin' in the future
Mary's place
Working on the highway
The river
Devil's arcade
The rising
Last to die
Long walk home
Badlands
Girls in
their summer clothes
Tenth Avenue freeze-out
Born to run
Glory days
Dancing in the dark
American land
Last Update: 19.06.2008
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